Login

Eisige Mission Teil V

Langsam bewege ich mich durch die Tunnel, die einfach kein Ende nehmen wollen. Ich laufe nun schon gut 90 Minuten. Rechts, links, bergauf, bergab. Ohne das Datenpad hätte ich mich wohl schon verlaufen. Vielleicht habe ich das auch, wer weiß. Zumindest gibt es immer einen Seitentunnel in die Richtung, die mir das Datanpad anzeigt.

Als ich auf Balmorra landete, um mich mit Mamoru zu treffen, unterhielt ich mich lange mit ihm. Er umarmte mich zur Begrüßung und führte mich zu einem kleinen Haus, welches vom Krieg völlig unberührt war. Es war umringt von einer Blumenwiese und passte so gar nicht in das restliche Bild des Planeten. „Wie ist es dir ergangen?“, fragte er mich, nachdem er uns einen Manellianischen Kaspar aufbrühte und servierte. „Ich kann mich wieder erinnern.“, erwiderte ich und lächelte ihn traurig an. Er teilte mir mit, dass er dies bereits wisse und dass es ihm Leid tue. Als ihn fragend ansah, erklärte er mit sanfter Stimme: „Ich habe dich nie so unbeschwert und fröhlich erlebt, wie zu der Zeit, als du bei Janinn warst. Auch wenn das, was du getan hast nicht den Prinzipien entsprach, die du zwischenzeitlich als die deinen erachtet hattest, so warst du doch ausgelassen und fröhlich, vor allem in seiner Gegenwart. Die Liebe stand dir gut.“ Da ich nicht einschätzen konnte, ob ich ihn in diesem Moment lieber ausgelacht, angeschrieben oder weinend umarmt hätte, beschloss ich das Gespräch sofort auf das wesentliche zu lenken. Ich wollte wissen, wo Thisha sei und ob es ihr gut ginge. Er erzählte mir, dass er sie in einen alten, verlassenen Bergstollen gebracht hätte. Viele Kilometer unter der Erde, wo niemand sie jemals suchen und ohne Karte niemals finden würde. Als ich ihn geschockt ansah, versicherte er mir, dass es ihr gut ginge und sie regelmäßig mit ausreichend Nahrung und Wasser versorgt würde. Ich atmete tief durch und versuchte in ruhigem Ton nach dem Standort und der Wegbeschreibung zu fragen, was mir offensichtlich auch gelang, denn er stand auf und holte mir das Datenpad, welches mir nun den Weg weist. „Du weißt, dass es ein Risiko ist, sie freizulassen?“, fragte er mich besorgt. Nun war der Punkt endgültig erreicht. Ich konnte meinen Zorn nicht mehr zügeln und schleuderte ihn mit einer Armbewegung gegen die hinter ihm liegende Wand. Als er polternd und klirrend zu Boden sackte, zusammen mit den Dekorationen, die sich in dem Wandregal befanden, welches er mit seinem Körper zertrümmert hatte, verließ ich den Raum mit den Worten „Schick Janinn die Rechnung, er kommt dafür auf.“ und machte mich auf den Weg nach draußen.

Ich eilte sofort zu meinem Schiff und gab die Koordinaten ein, die sich auf dem Datenpad befanden. Seitdem sind nur wenige Stunden vergangen und doch fühlt es sich an wie Tage. Zum Glück war ich schon einmal auf Quesh, so dass die Einreise problemlos verließ und ich wusste, dass ich mir zuerst eine Impfung gegen die giftigen Dämpfe abholen musste, bevor ich versuchte, das Shuttle zu betreten. Diese kleinkarierte Bürokratie hatte ich schon einmal durchlaufen und konnte sie mir nun sparen. Es war gar nicht so einfach den Eingang zu dem Stollen zu finden, denn genau wie Mamoru sagte, war er weit abseits und weit und breit war nichts von irgendwelcher Zivilisation zu erkennen. Natürlich habe ich die Tatsache, dass es in so einem Stollen verdammt dunkel ist, nicht bedacht und so komme ich nun wesentlich langsamer voran, als mir lieb ist. Immer wieder stolpere ich über Gesteinsbrocken, die am Boden liegen oder kämpfe mit meinem Gleichgewicht, weil es auf einmal steil bergab geht oder der Untergrund zur Seite geneigt ist. Das einzige Licht, welches ich nutzen kann, kommt von dem Datenpad und ich hoffe inständig, dass ihm nicht die Energie ausgeht. Zumal ich erst jetzt merke, wie weit der Weg ist und dass ich diesen ja auch irgendwie wieder zurückgehen muss. Ich hatte eigentlich nicht vor, mit Thisha eine Wohngemeinschaft in einer Zelle tief in einem Bergstollen zu gründen.

Während ich mich Schritt um Schritt vortaste, frage ich mich, wie sie wohl reagieren wird, wenn sie mich sieht. Ich habe sie überwältigt und gefangen genommen. Ich erinnere mich noch gut an ihren Gesichtsausdruck. Die weit aufgerissenen Augen, als sie erkannte, wer ich war. Ich konnte das damals nicht deuten. Ich dachte, sie sei so überrascht davon, dass ich sie außer Gefecht setzen konnte, bevor sie mich erreichte. Doch nun weiß ich, warum sie so entsetzt schaut und sich kaum wehrte. Warum habe ich sie damals nur nicht erkannt? Immerhin war… ist sie meine beste Freundin.

Du besitzt nicht die Rechte, einen Kommentar zu erfassen.