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Eisige Mission Teil IV

Es ist ungewohnt wieder hier zu sein. Ich gehe durch den langen Flur, der von zig Gemälden gesäumt wird. Janinn hatte mir zu fast jedem eine mehr oder weniger spannende Geschichte erzählt. Ob diese wirklich stimmen, weiß nicht, jedoch habe ich es genossen, ihm zuzuhören, während er seine Erzählungen mit akrobatischen Einlagen und dramatischen Sterbeszenen untermalte.

Ich erreiche die große hölzerne Tür, greife nach dem schweren Metallgriff und atme tief durch, bevor ich sie langsam aufschiebe. Laut knarksend öffnet sie sich und Janinns Augen weiten sich, als er mich erblickt. Ein paar Sekunden schaut er mich an, als würde er einen Geist sehen, bevor er von seinem Thron aufspringt und auf mich zugelaufen kommt. Sein Lauf endet erst, als mein Lichtschwert nur noch wenige Millimeter von seinem Hals entfernt ist. Sein Blick schwenkt von Freude zur Erkenntnis über. Er kneift seine Augen zusammen und wendet seinen Blick von mir ab: „Du kannst dich erinnern!“, stellt er fest. „Ja.“ Er sieht mich erneut an. Es scheint, als wolle er etwas in meinem Blick finden. Ich senke meinen Blick und stecke mein Lichtschwert wieder ein. Ich kann es einfach nicht. Ich kann ihn nicht hassen.

Ich laufe an ihm vorbei bis zum Ende des Saales und setze mich auf seinen Thron. Da dieser ein wenig höher positioniert ist, schaue ich mit starrem Blick auf ihn herab: „Hast du das Ganze geplant?“

Er atmet tief ein und haucht ein schweres „Nein.“ Er geht zu einem der Stühle, die etwas abseits stehen und setzt sich auf einen, bevor er fortfährt: „Ich wusste damals nicht, dass du unter den Jedi bist, die ich im Raumhafen aufhalten sollte. Ich bekam den Befehl, mich sofort auf den Weg zu machen von ganz oben, ohne Details.“ „Wer hat beschlossen, was mit mir passieren soll?“ „Ich weiß es nicht. Ich habe dich gefangen genommen und dich, wie befohlen in der Zitadelle abgeliefert. Ich sah dich erst Wochen später auf Korriban wieder und erfuhr erst dort, was mit dir geschehen ist. Vorher konnte mir niemand Auskunft geben, weil du ein streng geheimes Projekt warst. Außer deiner Schwester wussten anscheinend nur zwei weitere Ratsmitglieder von deinem Verbleib.“ „Warum bin ich schlussendlich bei dir gelandet?“ Nun steht er auf und kommt langsam auf mich zu, ohne auch nur eine Sekunde den Blick von mir abzuwenden. Kurz vor mir bleibt er stehen, geht vor mir auf die Knie und nimmt mein Gesicht in seine Hände: „Weil ich dich nicht sterben lassen konnte. Du warst für sie ein zu großes Risiko und man wollte sich deiner entledigen. Ich schlug vor, dich bei mir aufzunehmen und die volle Verantwortung für dich zu übernehmen.“ Ich spüre den Zorn in mir aufsteigen und funkle ihn an: „Du hast mich Unschuldige töten lassen. Frauen. Kinder!“ Ich spüre, wie sich meine Augen mit Tränen füllen. Der Gedanke an die unzähligen Opfer, die auf mein Konto gingen, schmerzt so unendlich. Er senkt den Kopf und blickt zu Boden: „Nein. Das geschah auf Befehl deiner Schwester. Sie wollte dich testen.“ Er sieht mich erneut an, wischt mir eine Träne von der Wange und spricht mit leiser und ruhiger Stimme: „Es tut mir Leid. Wäre ich stärker gewesen, hätten wir uns in Alderaan abgesetzt, ohne imperialen oder republikanischen Einfluss. Nur wir zwei.“ Ich stehe auf und verlasse ohne einen weiteren Kommentar den Saal. Ich ertrage es nicht mehr.

Ich gehe nach oben in „meine“ Räumlichkeiten und setze mich ans Fenster. Wie sooft regnet es und der eh schon dunkle Dschungel wirkt durch die grauen Wolken noch düsterer. Lange sitze ich dort und starre in die Wälder. Ich habe jegliches Gefühl für die Zeit verloren und bemerke nicht einmal, dass bereits die Nacht hereingebrochen ist und ich anscheinend seit Stunden in ein großes schwarzes Nichts hineinschaue. Tausende Fragen und Gedanken rasen durch meinen Kopf, schlagen Haken, enden in einer Sackgasse. Sagt er die Wahrheit? Warum sollte er mich anlügen? Vielleicht, damit ich ihn nicht umbringe? Er wäre stärker als ich, das hätte er nicht nötig. Oder doch? Aber selbst, wenn er die Wahrheit sagen würde… hätte das einen Einfluss auf meine Gefühle? Was fühle ich eigentlich? Wenn es zum Kampf kommen würde, könnte ich ihn töten? Wohl eher nicht, oder? Als ich versuche mir vorzustellen, wie mein Lichtschwert ihn durchbohrt, überkommt mich ein tiefer Schmerz. Nein… ich könnte es nicht. Ich überlege mir, wie es nun weiter gehen soll. Wo sollte ich hin? Zurück zu meinem Orden? Auch bei diesem Gedanken schmerzt es mich. Einfach weg? Zurück in mein Haus nach Alderaan? Egal, was ich mir vorstelle, mein erster Gedanke gilt jedes Mal Janinn. Ich will nicht ohne ihn sein, was die Frage nach meinen Gefühlen beantwortet. Ich liebe ihn, ob ich es will oder nicht. Als ich ihm vor ein paar Monaten meine Gefühle offenbarte, geschah das nicht aufgrund irgendeiner Gedankenmanipulation. Das war einfach nur ich. Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Ich seufze und gehe zu meiner Tür. Ich muss endlich das tun, weswegen ich eigentlich hier bin. Ich muss den Aufenthaltsort von Thisha herausfinden. Ich öffne die Tür und sehe Janinn gegenüber meines Zimmers an der Wand hocken. Ich gehe zu ihm und setze mich neben ihn. Er sieht mich an und reicht mir wortlos ein Datenpad. „Was sind das für Koordinaten?“, frage ich, als ich den Inhalt betrachte. „Dort wird Mamoru in zwei Tagen auf dich warten und dich dann zu Thisha bringen. Die Uhrzeit steht auch drin.“ Ich schaue ihn an und weiß nicht, was ich sagen soll. „Du musst vorsichtig sein. Es weiß niemand von ihr. Ich habe niemandem gesagt, dass du sie von deinem Einsatz mitgebracht hast.“, fuhr er fort und sieht mich dabei eindringlich an. Er will mir damit sagen, dass wenn es jemand mitbekommt, sowohl er, als auch ich unser Todesurteil unterschrieben haben. Ich nicke und flüstere ein „Danke.“. Mehr bekomme ich nicht heraus.

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